05.07.2018 | Hörspiel | Erstsendung im Radio
„Nächtliche Passagen mit einem Wolf“ von Astrid Litfaß
Worauf will das Tier hinaus.
Bild: Foto Franziska Hufnagel
"Ich bin, trotz meiner Schußwunden, zwei Tage lang je achtzig Kilometer von der Lausitz bis hierhergelaufen. Ein Spargelbauer wars, der mich erwischte", sagt der Wolf und pflegt im Wohnzimmer eines eher unfreiwilligen Gastgebers sein zerlöchertes Fell. Da sitzt das Tier, ein ungeliebter, nicht kalkulierbarer Migrant aus dem Osten. Manche meinen, er müsse sofort integriert werden. Tischmanieren lernen. Andere würden ihn sofort töten, wenn es erlaubt wäre. Dieser wunde Wolf hier kann sogar singen und hat eine Bildung, die den ängstlichen Chor der Nachbarn übersteigt. Aber er bleibt eben ein Geselle mit Zähnen, Rachen und Gerüchen.
Der SWR produzierte bereits eine andere geheimnisvolle, tierische Begegnung von Astrid Litfaß: „Nächtliche Passagen mit Kühnen und Hühnchen“ (Regie Judith Lorentz). Zwei halbstündige Hörspiele, die sich gut zusammenfügen zu einem großen Ganzen.

Regie Iris Drögekamp, Erstsendung 12.07.2018, 10:05 Uhr, SWR 2