13.08.2007 | Theater
"HEAVEN (zu tristan)" - das neue Stück von Fritz Kater
FRITZ KATER, HEAVEN (ZU TRISTAN), 3 D, 4 H

Das Stück spielt in Ostdeutschland, in einer Landschaft, die auf den Aufschwung wartet. Vom Himmel jahrmillionenalte kosmische Strahlung, die schwarze Flecken auf Fotopapier erzeugt - ansonsten großes Schweigen. Unten verödende Städte und Industrielandschaften. Darin krabbelnd eine kleine Gesellschaft entwurzelter Individuen. Emsige Arbeitsameisen, denen man den Haufen zerschlagen hat. Die fragen sich und andere unablässig, wie das gehen soll, das richtige Leben. Einer macht sich auf, ein schwärmerischer Architektur-Utopist, stellte seinen sozialen Traum über seine Liebe, kappt sich heraus aus einer 1:1-Beziehung, weil es ihm ums Großeganze geht. Später wird er zurückkehren, todkrank, um ein paar Grenzerfahrungen reicher. Die Zurückgelassenen proben größere und kleine Ausbrüche aus der Perspektivlosigkeit. Sei es in den Wald, um sich nach einer letzten gemeinsamen Leberwurststulle (dann doch nicht) umzubringen, sei es in in die vorläufige Depression oder in die Traumprinzillusion, oder eben in die nächste absurde Geschäftsidee. Einer will sogar die Gattung wechseln und zum Vogel werden. Jede Kater-Figur ist größer als das normale Leben, alle tragen sie ein Wissen von Geschichte und Kultur in sich, das über sie hinausweist. Und so wechselt ihre Rede immer wieder unvermittelt von aufgeladenen Alltagsdialogen zu erstaunlichen weltanschaulichen Entäußerungen und Träumen von Fortschritt und einer glücklicheren Zukunft. Jede private Haltung ist in einen größeren Zusammenhang gestellt.

Katers Stück spart nicht mit deutlichen Symbolen, setzt Rätsel, spielt mit Motiven der mittelalterlichen Minne-Vorlage (Liebestod, Dreiecksbeziehung, abenteuerliche Rückkehr), schafft Ausweitungen in Geschichtsräume und verlinkt scheinbar Unzusammenhängendes mit leichter Hand.

Uraufführung 12.09.2007, Schauspiel Frankfurt in Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin (Berliner Premiere 15.11.2007), Regie Armin Petras. Zweite Inszenierung am Volkstheater Rostock, 28.09.2007, Regie Wolf Bunge.