06.03.2007 | Theater
Lothar Trolle "Nach der Sintflut"
LOTHAR TROLLE "Nach der Sintflut" Gesammelte Werke Herausgegeben von Tilman Raabke Alexander Verlag / henschel SCHAUSPIEL 608 Seiten, Euro 29.90

"Nicht nur zahlreiche Theaterstücke sind hier erstmals für die Bühne und den Leser zu entdecken - von den frühen Kurzdramen bis hin zu aktuellsten Stücken -, sondern auch der Lyriker und vor allem der Prosa-Autor Lothar Trolle. In allen Texten zeigt sich: Gerade in der genauesten Beschreibung der Wirklichkeit, im Festhalten noch des kleinsten Augenblicks wird die Welt wieder zu dem, was sie eigentlich ist: ein Rätsel, das immer wieder neu zu entdecken ist und immer wieder neu entdeckt werden kann. Lothar Trolles abgründiger Humor hilft dabei." (Tilman Raabke)

"Lothar Trolle ist eine Figur aus einem Text von Lothar Trolle. Sein bürgerlicher Name lautet Kaspar Hauser. Von seinem Namensvetter hat er den fremden Blick auf die Wiederkehr des Gleichen in der Tretmühle des Alltags und die Ahnung von einem endgültigen Schrecken, der seine Clownerien schwarz grundiert. Im Übrigen gleicht er nur sich selber, kratzen Staats- und Sonnenuntergänge nicht an seiner Identität, glaubt er im Gegensatz zu Herrn Keuner nicht an Rolltreppen und Regenschirme und weicht Gesprächen über Bäume nicht aus." (Heiner Müller) 

Vorbestellungen über: WWW.LOTHARTROLLE.DE

PRESSESTIMMEN:

"Heiner Müller hielt ihn, völlig zu recht für ein Genie, Castorf hat eines seiner Stücke inszeniert. Jetzt sind im Alexander Verlag Berlin alle seine Gedichte und Stücke erschienen. Es ist das schönste und erstaunlichste, komischste und lakonischste Theaterbuch des Jahres." tip Berlin (05/2007)

"Eben noch haben sich Noah sowie seine Söhne Sem, Ham und Jappath fluchend durch meterhohen Schlamm gekämpft, jetzt ist der Archen-Baumeister wieder guter Hoffnung: 'Wahrlich, ich sage euch, der Tag ist nah, an dem wir noch in eine richtige Wüste kommen.' Diese Pointe - die Sehnsucht der Davongekommenen nach einer entgegengesetzten Katastrophe - scheint dem Herausgeber Tilman Raabke so charakteristisch, dass er die Gesammelten Werke des Dichters Lothar Trolle unter dem Szenen-Titel vereint." Andreas Hilger, Mitteldeutsche Zeitung (05/2007)

"Lothar Trolle ist seiner ästhetischen Überzeugung immer treu geblieben: 'Schreiben ohne auf Wünsche-Grenzen der Bühne eingehen zu müssen, bedeutet Freiheit für den Autor. Und bekanntlich weisen die Stücke in die Zukunft, die die Bedingungen der Bühne sprengen.' Und hier liegt auch die verstörende Qualität der Texte des Autors. Letztlich heben Trolles ungewöhnliche, meist für die Bühne geschriebenen Werke enge Gattungsgrenzen wie Roman, Drama oder Lyrik auf. Sie können als Stück auf der Bühne inszeniert oder als Hörspiel oder einfach nur gelesen werden." Axel Schalk, Zitty (01/2007)

"Und jetzt sind Trolles gesammelte Werke erschienen, ein schön gebundenes, dickes Buch mit einem klugen Nachwort von Tilman Raabke, einem Einband von Horst Hussel und einem Werkverzeichnis außerdem, ein wahres Lesebuch. Das geht nicht so mit Durchlesen und Weglegen, da versteht man sowieso beim ersten Mal nicht alles, noch dazu, wo der Autor mit uns gern Verstecken spielt in seinen Gleichnissen, Tiergeschichten und Minidramen. Dabei erscheint bei Trolle zuerst fast alles so, als urteile er nur durch die ganz genaue Beschreibung und als gäbe es keine 'Moral', aber die lugt dann doch hervor." Ricarda Bethke, Junge Welt (06/2007)

"Heiner Müller hielt ihn, völlig zu recht für ein Genie, Castorf hat eines seiner Stücke inszeniert. Jetzt sind im Alexander Verlag Berlin alle seine Gedichte und Stücke erschienen. Es ist das schönste und erstaunlichste, komischte und lakonischste Theaterbuch des Jahres." tip Berlin (05/2007)

"Trolle, 1944 geboren, studierte Marxismus-Leninismus – er hatte sich geirrt und gedacht, dies sei Philosophie. das Thema fürs Staatsexamen: Die theoretischen und praktischen Leistungen der SED bei der Gestaltung der Kulturpolitik seit dem 11. Plenum. 'Da bin ich nie wieder hingegangen, und die haben sich nie wieder gemeldet.' Geburtsstunde eines freien Autors. Dem im Schriftstellerverband nach einer Lesung von einem Funktionär bescheinigt wurde: 'Ich bin nach diesem Stück nur unendlich traurig. Dem Trolle, dem ist nicht mal mit dem Sozialismus zu helfen.' Gelesen hatte Trolle 'Papa Mama' (im Band abgedruckt), ein tolldreist-übermütiger Kommentar zu seelenzerfetzenden Ehegeschichten à la Albee. Adalbert Stifter und Hans Arp, die russischen Poeten Daniil Charms und Andrej Platonow darf man getrost Seelenverwandte dieses verqueren Poeten nennen, den das bewegt, was den Menschen zwischen rollenden Geschichtsrädern wahnsinnig macht. Großes, wirklich großes Glück hat er mit dem Theater nicht gehabt. Seine Sperrigkeit hat er deshalb nicht opfern können. Ein dickes Buch nun. Nicht wenig für einen Geheimtipp. Wenn das Theater wieder mehr Mut hat zur würdevoll ertragenen Einsamkeit unter den vielen sprießenden Freudenhäusern, dann wird es auch wieder Trolle spielen." Hans-Dieter Schütt, Neues Deutschland (07/2007)

Frank Castorf zu seiner Uraufführung von HERMES IN DER STADT am Deutschen Theater Berlin am 16.2.1992: "Trolles Stück HERMES IN DER STADT ist eine Großstadt-Sinfonie. Menschen fallen, ein Kriminalfall jagt den nächsten. Das Angenehme daran ist, daß es nicht die Moral von Besserwissern hat (...) Man merkt, wieviel Eruption schon damals in der DDR unter dieser Haut der Langeweile brodelte. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, daß ähnliche Geschichten in den Vororten von Paris und Rio spielen. Und ich denke, die Leute verspüren diese Verstrickung von Verbrechen und Ironie. Sie nicht realisieren zu können mittels subjektiver Anarchie und Kriminalität, sie aber trotzdem umsetzen zu wollen – diese Spannung finde ich ungeheuer modern."