07.11.2012 | Hörspiel
"So is dat Leven, Herr Schluck" von Werner Buhss
Sommer 1946 auf der vom Krieg gezeichneten Ostseeinsel Hiddensee. Per Schiff nähert sich der Sarg mit den Überresten des Nationaldichters Gerhart Hauptmann, der im Ort Kloster vor Sonnanaufgang beerdigt werden soll. So will es die neue sozialistische Partei. Aber so wollen es nicht die Insulaner und schon gar nicht die Fischer, die den Sarg tragen sollen. Sie weigern sich, den eingebildeten "Ollen" unter die Erde zu bringen. Der Literaturnobelpreisträger, der seit 1926 regelmäßig seine Sommer dort verlebte, ist ihnen "schietegal". Der junge Genosse Plietzsch muss Himmel und Hölle aktivieren, um das Beerdigungsschauspiel, und seis mit dem Schnaps der sowjetischen Genossen, über die Bühne zu bringen.
WERNER BUHSS, immer wieder auf der Insel lebend, kennt die Leute dort und beherrscht ihr Plattdütsch, das er für Festlandbandbewohner verständlich in das Hörspiel einfließen ließ. Und bei allen spökenkiekerischen Schnorren und Insellegenden: die Geschichte von Hauptmanns Beeerdigung ist fast wahr. 

Gerhart Hauptmann starb am 6. Juni 1946 in seiner schlesischen Heimat im Riesengebirge, das seit Ende des 2. Weltkrieges zu Polen gehört. Die Regierung drängte auf ausnahmslose Aussiedlung aller Deutschen. Auch der prominente Tote musste fort. Am 28. Juli 1946 fand er auf der Insel seine letzte Ruhestätte.

Regie Hans Helge Ott
MDR/RB 2012, 60'

Mit  Lutz Riemann, Devid Striesow, Daniel Minetti, Gerald Schaale, Martin Brambach, Hans Peter Korff, Rolf Petersen, Frank Jordan und Andreas Auer.