19.01.2006 | Theater
Autorenporträt: Fritz Kater
abalon, one nite in bangkok heißt das gerade am schauspielfrankfurt uraufgeführte Stück von Fritz Kater. Es verfolgt die kurzen Lebenslinien von zwei deutschen Brüder und zwei thailändischen Schwestern, die sich in einer überhitzten Nacht in Bangkok tödlich ineinander verstricken. Zwei taiwanesische Schauspielerinnen machen die comicstriphafte Frankfurter Inszenierung von Peter Kastenmüller zu einem (mehrsprachigen) Ereignis. Premiere der Koproduktion mit dem National Theatre Taipeh war am 8.1.06 im Kleinen Haus des Schauspiel Frankfurt. Armin Petras folgt im April mit einer zweiten Inszenierung des Stückes am Thalia Theater in Hamburg.

Kater: "immer noch und immer wieder sitze ich in 'meiner sprechblase über der stadt' und schaue auf die seite derer, die gar keine lösung zur hand haben, die hinterm zaun liegen zwischen blumfeld und garten, wo die gleise auf sie warten, und die nicht wissen wie das geht, die mit der handvoll beischlafmauer im haar."

Für den Herbst 2006 ist eine Ring-Uraufführung des neuen Kater-Stückes Tanzen! geplant: Das Maxim Gorki Theater in Berlin produziert gemeinsam mit dem Grazer "Steirischen Herbst" eine Inszenierung von Tanzen!. Zeitgleich plant das Schauspiel Leipzig eine zweite Inszenierung desselben Stückes. In Tanzen! geht es um die existentiellen Konflikte zwischen drei Angestellten einer Biotech-Firma in nicht allzuferner Zukunft. Das Gorki Theater, dessen Intendanz Armin Petras ab der Spielzeit 06/07 übernimmt, eröffnet nach derzeitigen Planungen mit dieser Kater-Inszenierung die dortige Studio-Spielstätte. "'das einzige, woran ich glaube, ist der konflikt', sagte der berühmteste deutsche dramatiker der nachkriegszeit, ich wünsche, ich könnte noch an den konflikt glauben, es fällt mir immer schwerer, denn es bedeutet, ihn sichtbar machen zu können, alles was sichtbar ist, ist schließlich auch beschreibbar und letztendlich auch lesbar, und genau das scheint mir nicht mehr möglich." Eine Buchausgabe mit acht Stücken von Fritz Kater ist in der Reihe "Dialog" bei Theater der Zeit erschienen: "Ejakulat aus Stacheldraht" ist der Titel dieser Anthologie.

"beuys' >jeder mensch ist ein künstler< hat kippenberger ja schon entgegengesetzt >jeder künstler ist ein mensch<, und auf diesem weg in die richtige richtung wünsche ich mir ein drama, das funktioniert wie kobo abes roman 'die frau in den dünen', ich gehe los in den abend, unterhalte mich ganz gut, das licht ist ganz schön, und dann reißt es mir den boden unter den füßen weg, ich liege in einer tiefen sandgrube, und die sonne ist da, wo ich nicht bin, und alles ist neu, alle werte und alle anordnungen, und ich lasse mich treiben wie der sand in meinen schuhen und irgendwann will ich dableiben hier unten, in meiner neuen höhle..." Mehr Informationen zu Fritz Kater und seinen Stücken in unserem Programm finden Sie HIER. (Die Zitate stammen aus Katers Mülheimer Rede aus dem Jahr 2003)