16.01.2016 | Hörspiel
"Dshan" von Lothar Trolle ist Hörspiel des Jahres
Sprachgenau, präzise in den Metaphern, stark in unverbrauchten Bildern entwickelt Trolle aus dem mystischen Stoff DSHAN nach dem 1934 entstandenen Roman von Andrej Platonow einen wortgewaltigen Erzählstrom, in dessen Mittelpunkt der junge Nasar steht, der einen  messianischen Auftrag übernimmt. Er will das in der Wüste verlorene, todgeweihte Volk „Dshan“ nach Hause zurückführen. Die hochkarätige Besetzung aller Stimmen, der pausenlose, präzise Schnitt, der schnelle atemlose Wechsel zwischen den verschiedenen Stimmen, Erzählebenen und Hörbildern, die sparsamen aber bedacht eingesetzten Gesangseinlagen – besser hätte man die surreal-düsteren Bilder und die Leiden des heimatlosen, getriebenen Nomadenstamms nicht umsetzen können, so die Jury der Akademie der Darstellenden Künste.

LOTHAR TROLLES Text ist "ein an die Schmerzgrenze reichender akustischer Marathon, der die eigentlich in einer früheren Welt angesiedelte Handlung angesichts der momentanen Bilder von Flüchtlingsströmen und Armutsmigration seltsam aktuell erscheinen lässt", so weiter die Jury der Akademie der Künste, die  "Dshan", 2015 von Walter Adler im SWR produziert, bereits zum Hörspiel des Monats September gekürt hatte.

Dshan von LOTHAR TROLLE nach ANDREJ PLATONOW
Regie Walter Adler
Aus dem Russischen von Alfred Frank
Dramaturgie Andrea Oetzman
Produktion SWR
76’53‘‘