07.07.2009 | Theater
Wilde, trunkene Gesänge
Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatiker Preis für Wyrypajew
Mit ihrer Entscheidung für den diesjährigen Preisträger hat die dreiköpfige Jury des Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatiker Preises wieder ein beachtenswertes Zeichen gesetzt. Sie hat mit IWAN WYRYPAJEWeinen Autor geehrt, dessen kraftvolle, poetische Stücke sich angenehm absetzen von allem, was die neuere Dramatik zu bieten hat. Juror Christopher Schmidt sagte in seiner Laudatio dazu unter anderem: „Die Figuren von Iwan Wyrypajew sind finster-fröhliche Sinnsucher mit räudigen Seelen, muntere Fatalisten von ungebändigter, selbstzerstörerischer Vitalität, wüster Fabulierlust und wütender Spiritualität, mörderische Mystiker und Höllenhunde, die sich verzweifelt nach dem Himmel sehnen. Wyrypajews Stücke gleichen wilden, trunkenen Gesängen, die sich fremd, fast archaisch ausnehmen in unserer durchtherapierten, aufgeklärten Welt, in der es für allen Schrecken und jeden Schmerz ein passendes Medikament gibt. Im Vergleich zu der rauschhaften, fiebrigen Hitze, die Wyrypajew auf die Bühne bringt, sieht vieles, was an zeitgenössischen Stücken bei uns entsteht, blass und anämisch aus, wirkt oberflächlich und ja, seelenlos." Zusammen mit dem Autor wurde auch sein kongenialer Übersetzer Stefan Schmidtke ausgezeichnet, über dessen Übertragung es in der Laudatio heißt: „Schmidtke hat maßgeblich dazu beitragen, dass sich die poetische Kraft Wyrypajews auch auf Deutsch entfaltet, dass der Geist des Autors in unsere doch etwas schwerer entflammbare deutsche Seele fährt wie ein Sengstrahl in eine trockene Scheune."