Vaterland
2002
"Thomas Heise begibt sich in diesem Dokumentarfilm an jenen Ort, an dem sein Vater die Kriegszeit in einem Arbeitslager für jüdische Mischlinge verbringen musste. Straguth in der Nähe von Zerbst (Sachsen-Anhalt) hatte vorher schon der Wehrmacht und danach der Sowjetarmee als Standort gedient. Seit 2000 übten hier "special forces" der NATO den Häuserkampf. Ein Unort am Ende der Zeit, vergessen von der Gegenwart. Nicht einmal die Sprache der Dorfbewohner ist mehr richtig zu verstehen. In der wohnküchenartigen Kneipe von "Onkel Natho" laufen rudimentäre Kommunikationsstränge zusammen. Hier ist stets vom Krieg die Rede, so als hätte dieser nie aufgehört. "Auf den ersten Blick könnte man meinen, Heise versuche sich in seinem Dokumentarfilm an einer Art Provinzfolklore und Reliquienschau der DDR. Doch Vaterland ist eine Spurensuche mit offenem Ausgang. Eine Expedition, die den grauen Asphalt des kleinen Dorfes aufbricht, in die Sedimentschichten und Abwasserkanäle der Geschichte vorstößt. Heise gräbt die deutsche Geschichte um, vorsichtig wie ein Archäologe, der jedes Fundstück aufhebt, egal, aus welchem Trümmerhaufen es ursprünglich stammen mag." (Katja Nicodemus: Die Zeit, 48/2003)
Drehbuch
Thomas Heise↗
Regie
Thomas Heise↗
Produzent
ma.ja.de. Filmproduktions GmbH
Auszeichnungen
Silberne Taube
2002 DOK Leipzig
Preis der SRG SSR idée suisse
2003 Visions du Réel Nyon
Film
URAUFFÜHRUNG
18.10.2002   Internationales Festival für Dokumentar- und Animationsfilm Leipzig
102 min
KINOSTART
20.11.2003  
ERSTAUSSTRAHLUNG
22.05.2004   arte