Hochstand
Ein Mann geht auf die Jagd in den Wald. Der Mann will es wissen. Die Jagd, das ist etwas Uraltes. "Ein Urtrieb. Etwas, das jeder in sich spürt. Jeder Mann zumindest. Einen Funken davon. Jäger sein. Wild erlegen." Soweit ist alles klar. Und sonst? Eigentlich ist er nämlich kein Jäger. Eigentlich ist er ein Großstadtmensch. Schlimmer, ein Stubenhocker. Schlimmer, ein Mann in der Krise. Aber jetzt ist Schluss, jetzt wird das Leben in die Hand genommen, jetzt bekommt es die richtige Richtung. Er hat bereits Waldhorn geübt. Er hat sich belesen, Lexika frequentiert, sich Gedanken gemacht. Auch mit seiner Frau hat er gesprochen. Soll sie sich doch wundern, was in ihn gefahren ist. Er wird auf die Jagd gehen! Er wird zielen, schießen, treffen. Beute machen. Waidmanns Heil! Ein richtiger Mann sein! Auf dem Hochstand. Nachts, bei Vollmond.
Wer „Hochstand“ hört, begegnet einem Schriftsteller mit ganz eigener Sprache, einem, der sich seinem Thema langsam und behutsam nähert, aber es mit einer Reihe von literarischen Mitteln fast musikalisch, sehr sorgfältig umkreist. Dazu gehören bewusste Redundanzen wie etwas das virtuose Spiel mit dem Wort „Spuren“, das sich schlingt und schlängelt; dazu gehören Hyperbeln, temperamentvolle Metrik und versteckte Lyrismen bis hin zu Rap-Elementen und burlesken Wortspielereien. Dabei geht es im Grunde ‘nur’ darum, dass ein Mann die Stille sucht und hofft, sie im Wald zu finden. … Natürlich ist unser Mann nicht wirklich ein Jäger und hat auch nicht das Zeug zum Eremiten, nein. Vielmehr ist er einer von so vielen, die - nicht mehr jung und noch nicht alt - vor all dem Angst haben, das sie bestehen zu müssen glauben… 14.9.12 - Angela di Ciriaco-Sussdorff/FK
Mit Rudolf Krause, Bibana Beglau, Nina Petri und Martin Brambach.
Hörspiel
URSENDUNG
16.09.2012   MDR 2012
R: Thomas Wolfertz
53:52 min