abgrund
Ob sich das Wasser an seinen ursprünglichen Zustand erinnern kann, ob Tapeten die Wände zusammenhalten, ob es „Flüchtlinge“ oder „Geflüchtete“ heißt, ob Heiraten ein Statement ist, ob Hunde Kinder ersetzen, ob PrEP vor HIV und Sex ab vierzig vor dem Alleinsein schützt, wo man Dinkel kauft und wo Lavendel, ob ein Shabbat-Dinner für Atheisten ein Erlebnis ist, ob die Trüffelsuppe mundet, der Wein im Abgang nach Stachelbeere schmeckt und das Fleisch zart ist, ob die alptraumhafte, kannibalische Filmszene hierher gehört, ob man heute noch oder wieder „prima“ sagen kann und ob wir vielleicht doch in einer Fake-Welt leben, die uns Normalität nur vorgaukelt und selbst Verschwörungstheorien als Sedativ verkauft: you name it, we drop it – jedes Thema, heilig oder profan, findet seinen gleichberechtigten Platz im Lifestyle-Geplauder beim Abendessen, zu dem Bettina und Christoph eingeladen haben. Und im Nebenzimmer schlafen friedlich ihre Kinder wie Engel ...
Unter der glatten Oberfläche entwirft „abgrund“ das Szenario der größten anzunehmenden Tragödie und lässt den Schrecken aus der Angst in die Wirklichkeit treten. Die Reaktion ist Schockstarre, bodenloser Small Talk, Verdrängung und die grundlose Hoffnung, alles sei nur ein Gedankenspiel gewesen.
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Autor
Maja Zade↗
Besetzung
3D, 3H, ein fünfjähriges Mädchen
Theater
Frei zur UA