Drei Milliarden Schwestern
Eine Opernentwicklung in Zusammenarbeit mit P14
Musik Ben Roessler
Es ist nicht mehr Moskau, worauf sich die Sehnsucht der Tschechowschen Schwestern richtet. Es geht nicht mehr um eine Stadt oder um ein Land, wo sich Hoffnungen erfüllen könnten in weiter Ferne. Ein Komet rast auf die Erde zu. Ein bewußtloser, todbringender Brocken, der den Planeten zerfetzen wird. Olga, Mascha und Irina sind nur drei von drei Milliarden Schwestern, die dieses Ende mit sonderbarem Kribbeln herbeisehnen und gleichzeitig aufzuhalten versuchen. Aber wie? Bis der Komet einschlägt vertreiben sie sich ihr tristes Dasein mit Livestreamings auf Video Channel. Zitat Bonn Park: "Wenn sie nicht schon so alt und traurig wären. (Irina zum Beispiel ist schon 15). Und dann all die Leute, die ihnen ständig sagen, das versteht ihr noch nicht oder das ist nicht so einfach wie ihr denkt ... oder da muss ich erst mal nachfragen, ich melde mich dann bei dir, das kann ich nicht allein entscheiden oder oder oder oder." Aber wenn, so Bonn Park und sein Team, dann sind es die drei Milliarden Schwestern, die noch echte Schmerzen und Gefühle gegenüber der Weltpolitik haben. Und Liebe.
Bei der Uraufführung in der Berliner Volksbühne spielt das Jugendsinfonieorchester am Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium und der einzige Mann an diesem bizarren, besorgten, dadaistisch phantastischen Abend ist der Überraschungsauftritt des Sängers Dagobert aus den Schweizer Bergen. Eine Jugendoper für Spielerinnen, die zeigen, dass sie nicht wirklich singen können. Charmant, witzig, klug. Die Komposition von Ben Roessler, eine schwingende sinfonische Mischung, in der barocke Klänge mit Filmzitaten und musikalischen Komikelementen verschmelzen, gehört für nachspielwillige Theater unbedingt dazu.

Musik: Jugendsinfonieorchester Berlin am Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium
Mit Anne Tismer und 10 Spielerinnen P 14
Medienpartner: RBB Kulturradio

Pressestimmen:
„Kranke Depressionsballaden, jubilierender Zwölfton-Weltschmerz mit Paukenwirbel und Beckenschlag, todessehnsüchtige und dabei gutgelaunte Pop-Nummern… Ein seltsamer, ratloser, nie ganz verzweifelter Humor beschenkt Erwachsene mit einer Unsicherheit, die sie in die eigene Umbauphase zurückversetzt. Eine euphorisierende Kollektivoper.“ Berliner Zeitung, Ulrich Seidler, 15.10.18

„eine knallige, zum Niederknien komische, mit enormem Sprachwitz aufgepeppte musikalische Revue sehr frei nach Tschechow ....“ Neue Zürcher Zeitung, Bernd Noack, 19.10.18

„Große Oper! Alles hat einen flirrenden, ambiguen Ton, pastell, wie die schicken Kostüme, das wird nie langweilig, ist immer amüsant. Und das ist eine fast unermessliche Leistung für singende Jugendliche auf dieser größten und grausamsten Bühne der Stadt.“ nachtkritik.de, Gabi Hift, 13.10.18
Autor
Bonn Park↗
Besetzung
8D, 1H
Theater
URAUFFÜHRUNG
12.10.2018   Volksbühne
R: Bonn Park