Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs
2019
Blanka Rádóczy inszeniert am Schauspielhaus Graz " Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs" von Vladimir Sorokin. Eine Gemeinschaftsproduktion von Schauspielhaus Graz & steirischer herbst ’19.
In der Zukunft gibt es kaum noch Bücher. Die meisten sind während des dritten Weltkriegs als Heizmaterial verbrannt worden oder danach der vollständigen Digitalisierung zum Opfer gefallen. Rund um die letzten Bücher ist eine illegale Spitzengastronomie entstanden, bei der Vermögende auf Werken der Weltliteratur erlesene Speisen grillen lassen. Dieser feierliche Vorgang heißt „Lesung“ und wird von verwegenen Männern ausgeführt, die zu einer verschwiegenen Gilde gehören. Zum Beispiel von dem Ungarn Geza, der um die halbe Welt jettet, um für alte Adelige, neureiche Geschäftsleute und halbseidene Kriminelle Kobe-Beef auf einer Erstausgabe von Dostojewski, Ribeye-Steak auf Gogols „Toten Seelen“ oder auch Möhrenbratlinge auf Ergüssen im Stile Tolstois zu grillen.

Der komplexe Grillvorgang erfordert jahrelange Erfahrung. Ganze Bücher brennen bekanntlich schlecht, also werden sie kunstvoll mit Hilfe eines kleinen „Excaliburs“ Seite um Seite in die Flammen geblättert. Der Berufsverband der Book’n’Griller sorgt dafür, dass die Regeln der Zunft befolgt werden, notfalls mit Gewalt. Und so erhält Geza einen Auftrag, der ihn zum Berg Manaraga im Ural führt; eine Mission, die sein Leben umkrempelt und die Welt der Book’n’Griller auf den Kopf stellt ...

Angeblich werden die Bildungsbürger*innen, die die westliche Gesellschaft bisher kulturell geprägt haben, gerade von den „Genussbürger*innen“ abgelöst – Menschen, die z. B. Bücher nur mehr als dekoratives Wohnaccessoire schätzen und in der Theaterpause eher über die Qualität des Weines als über die des Stücks fachsimpeln. Zu diesem Befund passt Sorokins bissige Gesellschaftssatire, die das Wort „Kulturgenuss“ schal werden lässt. Das Stück wird so zu einem zentralen künstlerischen Projekt in der thematischen Erzählung des steirischen herbst ’19, der unter dem Titel „Grand Hotel Abyss“ einen kritischen Blick auf die Dekadenz der Gegenwart wirft.

PREMIERE am 9. Oktober, 19.00 Uhr,
Museum für Geschichte, Sackstraße 16 (ebenfalls am 11. und 12. Oktober, im Rahmen des steirischen herbstes)
SCHAUSPIELHAUS-PREMIERE am 23. Oktober, 20.30 Uhr, HAUS DREI

BESETZUNG
REGIE & BÜHNE Blanka Rádóczy
BÜHNE UND KOSTÜME Marie-Luce Theis
SOUNDDESIGN/KOMPOSITION Florentin Berger-Monit, Johannes Wernicke
DRAMATURGIE Martin Baasch, Karla Mäder Dominik Müller

© Schauspielhaus Graz
Theater
Kalender
09.10.2019 | PREMIERE
Steirischer Herbst
R: Blanka Rádóczy
23.10.2019 | PREMIERE
Schauspielhaus Graz
R: Blanka Rádóczy