04.01.2019 | Hörspiel | Erstsendung im Radio
"Der Reisende" nach dem Roman von Ulrich Alexander Boschwitz
Bearbeitung und Regie Irene Schuck, Ursendung 13.01.2019, NDR info
Bild: Lisa Hinder
Wenige Wochen nach den Novemberpogromen 1938 schrieb der 23jährige Ulrich A. Boschwitz (1915-1942) den Roman „Der Reisende“. Obwohl sich Heinrich Böll für das im Ausland veröffentlichte eindringliche, literarische Zeitdokument einsetzte, wurde es erst 2017 von Peter Graf beim Verlag Klett-Cotta herausgegeben.

Niemand sieht dem geachteten Geschäftsmann Otto Silbermann seine jüdische Herkunft an. Er selbst wähnt sich trotz unerfreulicher politischer Entwicklungen in Sicherheit. Noch klopfen ihm die Freunde mit unsäglicher werdenden Ausflüchten auf die Schulter. Zögerlich, aber bald mit Überzeugung, verrät ihn sein Geschäftspartner. Was um ihn rum geschieht, ist nicht zu fassen. Was er hört, ist an Absurdität nicht zu übertreffen. Obwohl er eine arische Frau hat, wird Silbermanns Wohnung verwüstet. Er selbst kann mit einer Aktentasche voller Geld in letzter Minute vor den Schlägertrupps fliehen. In den Zügen, die ihn von Berlin nach Aachen, Düsseldorf, München und wieder nach Berlin fahren, sieht man ihm noch immer nicht an, dass er längst auf einer lebensbedrohenden Flucht ist. Sein in Paris studierender Sohn kann ihm keine Papiere beschaffen. Sein verzweifelter Versuch, zu Fuß über die Grenze zu kommen, scheitert. Er wird bestohlen und verkommt innerhalb weniger Tage zu einem Mann, der sich nicht mehr verstecken kann. Der keine Kraft mehr hat, aber immer noch auf eine Art Gerechtigkeit hofft.

Bearbeitung und Regie Irene Schuck
Mit Patrick Güldenberg, Wolfgang Prengler, Felix von Manteuffel, Oda Thormeyer, Anne Weber, Jonas Minthe, Paul Herwig, Achim Buch, Matti Krause, Anne Moll u.v.a.
Ursendung 13.01.2019, NDR info, 21 Uhr