17.06.2010 | Hörspiel
"Atemschaukel" nach Herta Müller
Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. „Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren - 15 C." So beginnt der Bericht des 17-jährigen Leopold über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller vom Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. Im Januar 1945 wurden auf Anweisung Stalins alle arbeitsfähigen Männer und Frauen deutscher Herkunft zwischen 17 und 45 Jahren, die in Rumänien lebten, in sowjetische Arbeitslager deportiert. Viele kamen dabei ums Leben. Was Leopold während seiner fünfjährigen Haft erlebt, erinnert an Berichte aus deutschen Konzentrationslagern oder an die Beschreibungen Alexander Solschenizyns in „Der Archipel Gulag". Leopold erzählt vom Hunger, der Kälte, dem Grauen sowie von seinen Überlebenstechniken vor allem durch die Sprache und die Kraft der Imagination. Den Stoff für ihren jüngsten Roman (2009) hatte die Autorin zusammen mit dem rumäniendeutschen Lyriker und Büchner- Preisträger Oskar Pastior konzipiert, der 2006 verstarb.

Die Hörspielfassung wurde von Herta Müller autorisiert.

Mit: Alexander Fehling, Vadim Glowna, Otto Mellies, Maria Kwiatkowsky, Dagmar Manzel, Lars Rudolph, Bernd Stegemann, Sebastian Urzendowsky u.a.
Soundrecording auf dem Gelände der Kokschim-Fabrik in Nowo Gorlowka/ Ukraine, Hörspielbearbeitung und Regie: Kai Grehn

Die Hörbuchausgabe des Hörspiels ist 2010 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

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