Michel Vinaver
Autorenbild Bild: Ted Paczula
Michael Vinaver wird als Kind russischer Juden 1927 in Paris geboren. Mit neun Jahren schreibt er sein erstes Stück „Die Gemüserevolte“. Während der deutschen Besatzung 1941 siedelt die Familie in die USA über. Nach einem Semester an der Wesleyan University (Connecticut) 1944/45 meldet sich Vinaver freiwillig zum Kriegsdienst in Frankreich. 1947 macht er seinen Bachelor für englische und amerikanische Literatur und wird Professor für Französische Literatur an der Manchester University. Fernstudium der Humanwissenschaften an der Sorbonne.1948 beginnt seine lebenslange Freundschaft mit Roland Barthes. 1950 wird der erste Roman von Vinaver, „Lataume“, auf Empfehlung Albert Camus´ veröffentlicht. Sein zweiter Roman „L´Objecteur“ erhält den Fénéon Preis. 1953 beginnt Vinaver seine Karriere bei Gillette France unter dem Namen Michel Grinberg, wird Geschäftsführer und arbeitet in Großbritanien, Schweiz, Belgien und Italien. Parallel dazu schreibt er mehrere Stücke, die in Frankreich aufgeführt werden. Die Inszenierung seines zweiten Theaterstückes „Aujord´hui“ (1955), uraufgeführt 1956 unter dem Titel „Les Coréens“ von Roger Planchon in Lyon, verursacht Tumulte rechtspolitischer Gruppen vor dem Theater. 1967 schreibt Vinaver nach einer acht Jahre andauernden Schreibblockade „Par-dessus bord“ (Über Bord) mit einer Aufführungsdauer von acht Stunden (Uraufführung 1973 in einer gekürzten Fassung von Planchon). 1978 beginnt mit der Inszenierung seines Stückes „Théâtre de chambre“ (Kammertheater) von Jacques Lassalle die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit der beiden. 1982 nimmt Vinaver eine Lehrtätigkeit an der Universität von Paris III (Censier) an und wird zum Leiter des neugegründeten Dramaausschusses des Centre National des Lettres ernannt. 1986 erhält er den Ibsen-Preis. 1987 erscheint sein Krisenreport „Le Compte rendu d´Avignon“, der wegen seiner harschen Kritik an der Theaterindustrie Frankreichs zahlreiche Kontroversen auslöst. 1988 wird Vinaver zum Ehrenprofessor der Universität von Paris VIII (Saint-Denis) ernannt. In den 90er Jahren wendet sich Vinaver der Übersetzungstätigkeit zu (Shakespeare, Botho Strauß); er schreibt weiterhin Stücke. 2002 „L´Objecteur“ (Stück nach seinem Roman), „11 septembre 2001“, „Les Troyennes“. 2004 wird Die Live-Sendung (1988) in der Regie von René Loyon am Théâtre de L´Est Parisien aufgeführt (DEA am Schauspiel Essen am 6.11.2004), Über Bord von Christian Schiaretti in Villeurbanne. Die französische Werkausgabe erscheint bei Actes Sud. Michel Vinaver lebt als freischaffender Autor in Paris.