Die Festung
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Die Festung Bastiani, an der Nordgrenze eines unbenannten Landes zur Wüste hin gelegen, schützt vor den Horden der Tataren, die noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Leutnant Drogo muss seinen Pflichtdienst dort ableisten und will so schnell wie möglich zurück ins Leben kehren. Während seiner Dienstzeit erfährt er von den kafkaesken Motivationen der Offiziere, auf der Festung zu verharren. Jahrzehntelang, lebenslang. Ihre Anwesenheit rechtfertigt die Existenz der Festung. Dass die Tataren noch nie auftauchten, bedeutet nicht, dass es diese Gefahr nicht gäbe. Sie sind gefangene Strategen der Festungsideologie geworden. Und einer muss sie ja beschützen, die Lieben in der Stadt, die sie nicht mehr kennen. Nur einer, der intelligente Offizier Pietro Angustino, verlässt provokativ die Festung, ohne das für den nächsten Tag gültige Losungswort zu kennen. Drogo hält in dieser Nacht Wache. Er wird seinen Freund erschießen müssen. Denn auch er kann das Reglement und den Glauben an die Festung inzwischen nicht mehr leugnen.
Das Stück, frei nach dem Roman „Die Tatarenwüste" von Dino Buzatti, ist beängstigend aktuell. Die Festungsmentalität legt sich wie Mehltau auf Europa. Aus irrationaler Angst wird Sucht nach der Großen Mauer. Die Tataren sind heute Asylsuchende aus den Konfliktgebieten der Welt, Afrikaner, Sinti und Roma, Arbeitssuchende aus Bulgarien und Rumänien. Wie lange brauchen wir, bis wir merken, dass der Konflikt der Welt innerhalb unserer Mauern liegt.
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Besetzung
13H, Statisten
Theater
URAUFFÜHRUNG
12.07.1986   Städtische Theater Karl-Marx-Stadt
R: Werner Buhss
Kalender
26.05.2019 | AUFFÜHRUNG
Theater aufBruch, JVA Plötzensee
R: Peter Atanasow