Leben bis Männer
oder Der Fußballtrainer
Da kommt einer ins Reden, der immer am Rand stand im wörtlichen und übertragenen Sinne. Er ist Fußballtrainer einer Provinzmannschaft in der Magdeburger Börde. Er redet, scheint es, über Fußball, doch je länger er es tut, desto deutlicher werden Verstörungen und Verletzungen. Ausgerechnet der Spieler Heiko, den der Trainer wie seinen Sohn sah, nachdem ihm die geschiedene Frau das eigene Kind entfremdet hatte, ausgerechnet dieser Heiko hat ein Menschenleben auf dem Gewissen. Der obsessive Monolog, der zunächst nur wie die komische, aber kenntnisreiche Tirade eines vom Fußball beseelten Menschen anmutet, wird zur Abwehrschlacht eines Lebens. Thomas Brussig hat mit seinem grantigen Trainer eine großartige Rolle für einen Schauspieler zwischen 50 und 60 geschrieben. Er liefert verblüffende Fundstücke aus der fortwirkenden Vergangenheit, über das Ziehen und Trainieren junger Menschen wie über elementare Zusammenhänge von Fußball, Politik und Frauen. Schließlich bringt er seinen Helden bis zur philosophischen Einsicht, daß einer zum Scheitern verurteilt ist, der seinen Leuten jahrelang Kinder, Knaben, Schüler, Jugend, Junioren, bis Männer etwas beibringen will, was sie nie können, weil sie es nie können können.
Theater
URAUFFÜHRUNG
19.12.2001   Deutsches Theater Berlin
R: Peter Ensikat
ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
01.05.2003   Berndt Renne in Wien
R: Berndt Renne
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG
15.05.2004   Hannes Leo Meier, Aarau