Sterne über Mansfeld
Mansfelder Land: Kupferbergbau hat diese ostdeutsche Region über Jahrhunderte geprägt, Luther stammte von hier. Heute liegt die Industrie- und Kulturlandschaft brach, der Landstrich ist wieder Missionsgebiet. Hier steht BETTY als Frau, Mutter und Altenpflegerin mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Der gibt täglich nach über einstürzenden Stollen. TOMAS, ihr Mann, müht sich als Versicherungsvertreter, dabei träumt er noch immer von einer Karriere als Rockstar. JANICA, ihre Tochter, sprüht Farbe in die graue Gegend und will Künstlerin werden in einer möglichst weit entfernten Stadt. CHRISTIAN, Bettys Schwager und Polizist des Ortes, ist ein muskulöser Sternenkundiger. Er hat vor Jahren seine Tochter in einem Blindschacht des Bergwerkes verloren. Sie wäre jetzt so alt wie Janica. Mit der trifft er sich ab und zu in der Sternwarte, wo sie versuchen, per Inserat eine Frau für ihn aufzutreiben. Dabei wissen mindestens zwei, daß Betty die richtige für ihn wäre. Draußen rast vor den Augen des CHORS DER ÄLTEREN DAMEN auf der abschüssigen Dorfstraße der gelähmte Parteifunktionär BENJAMIN mit seinem Rollstuhl in den nächsten Suizidversuch. Er wird gerettet. Ausgerechnet ein West-PASTOR, der die gottlose Gemeinde übernehmen will, nimmt sich hartnäckig seiner Bekehrung an. Das hat mobilisierende Wirkung, alte Kampflieder erleben neue Blüte. Es stellt sich heraus, daß dieser dubiose Geistliche seit Jahren auf der Flucht vor einer verirrten Liebschaft ist. Sie wird ihn einholen und das Wiedersehen nicht überleben. Und seine Anwesenheit wird weitere Verluste fordern. Fritz Katers Stück, als Auftragswerk für das Leipziger Schauspiel entstanden, erzählt mit starken Metaphern über Aufbrüche und Rückzüge in einer utopielosen Zeit. Short cuts über Menschen, denen auf der Abraumhalde der Geschichte Versteinerung droht.
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Besetzung
3D, 5H, Chor
Theater
URAUFFÜHRUNG
15.02.2003   Schauspiel Leipzig
R: Armin Petras