Rapunzel
oder Wen die Liebe trifft
Nach den Brüdern Grimm
Die silbergrauen Zwillinge Friedrich und Friedrike sehen ihrer eigenen Entstehung zu. Sie spüren Szenen aus dem Leben ihrer Großeltern und künftigen Eltern auf. Vor langer Zeit wohnte da Frau Gotel, die einem unzufriedenen Paar das Kind wegnimmt und es nie mehr loslassen will. Sie sehen zu, wie Frau Gotel dichte Mauern um das Mädchen Rapunzel zieht und erste ungelenke Bewerber verjagt. Sie können nicht verhindern, daß Rapunzel in den Turm gesperrt wird und freuen sich, wenn Prinz Thomas seinem Gefühl folgt.
Hinter der Geschichte vom langmähnigen Kind, an dessen Schopf es sich bequem einen Turm erklettern läßt, verbirgt sich eins der härtesten Grimm-Märchen. Katharina Schlender erspart uns nichts, und für Momente wird es unheimlich, wenn die besitzergreifend liebende Frau Gotel Rapunzel in der Isolationshaft den Kopf rasiert und sie anschließend schwanger in die Wüste jagt. Auch Rapunzels abgestürzter Prinz irrt dort umher. Sie werden sich finden und nach dem Martyrium von klammernder Liebe und Bruderverrat wie im Märchen die Zwillinge bekommen, die von Anfang an dabei waren und uns soviel zeigen konnten von guten und zerstörerischen Spielarten der Liebe. "Und auch wenn sie gestorben sind, leben sie noch heute".
Theater
URAUFFÜHRUNG
16.11.2006   Hans-Otto-Theater, Potsdam
R: Philippe Besson
Kalender
08.05.2020 | AUFFÜHRUNG
Badische Landesbühne