Juli
(Originaltitel im Russischen: „Ijul'“)
ENGLISH
Sein Haus ist abgebrannt, mit allem, was sein Leben ausgemacht hat in der dörflichen Einöde. Als Ort der Zuflucht stellt er sich das Irrenhaus von Smolensk vor, doch bevor er dort einziehen kann, braucht er eine Bleibe. Sein Nachbar Kolja will ihn nicht aufnehmen, also tötet er ihn und seine Hunde gleich mit. Dann, in der Stadt, bringt er einen Obdachlosen um, denn er braucht dessen Schlafsack für ein paar Nächte. Das nächste Asyl wird ihm freiwillig gewährt, im Kloster, von einem Popen, aber auch den tötet er, langsam, qualvoll, denn er war so gütig zu ihm und soll dafür als Heiliger ins Paradies kommen. Danach beginnt sein eigenes Martyrium, in der Irrenanstalt, wo er nun ganz unfreiwillig landet. Er wird gefoltert, gequält, härtesten Prüfungen ausgesetzt. Raum und Zeit lösen sich auf, Identitäten verschwimmen, Träume, Gesichte beherrschen ihn. Und dann, am Ende aller Qualen, erscheint seine Jugendliebe, als Pflegerin, und er stiehlt ihr das Herz, wortwörtlich, um die Liebe endgültig und ganz in sich aufnehmen zu können.
Was klingt wie die Gewaltorgie eines Monsters, ist in Wahrheit die Geschichte eines Heilsuchers unserer Tage, der Aufschrei einer verletzten, zerstörten, gepeinigten Seele. Eine besondere, jeden Anflug von Realismus ausschließende Wirkung bekommt der explosive, literarisch verdichtete Text, wenn er (wie in der Moskauer Uraufführung 2007) von einer jungen Schauspielerin vorgetragen wird.
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Übersetzung
Stefan Schmidtke↗
Besetzung
1D, weitere Personen möglich
Übersetzungen
Englisch von Sasha Dugdale: July
Französisch von Tania Moguilevskaia und Gilles Morel: Juillet
Tschechisch von Kateřina Sýkorová: Červenec
Theater
DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG
10.10.2008   Schauspiel Leipzig / Theater Konstanz
R: Mareike Mikat / Sabine Loew
ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
15.10.2008   Schauspielhaus Wien GmbH
R: Florian Flicker
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG
12.12.2009   Theater an der Winkelwiese
R: Stephan Roppel