Die Letzten
(Originaltitel im Russischen: Poslednie)
Die Familie des ehemaligen Polizeichefs Kolomizew ist zerrüttet. Haß, Streit und Heuchelei bestimmen ihr Leben. Kolomizew selbst wurde wegen seiner Sauferei und seiner Spielsucht vorzeitig pensioniert, seine Frau Sofia leidet an der Seite ihres grobschlächtigen Mannes, wagt es aber nicht, sich zu trennen und mit seinem Bruder Jakow zu leben, ihrer eigentlichen großen Liebe. Die fünf erwachsenen Kinder sind jeder auf seine Weise lebensuntüchtig - Alexander ist mit 26 Jahren schon verlebt und trunksüchtig, Nina ist innerlich versteinert und in eine herzlose Vernunftehe geflüchtet, Pjotr sympathisiert aus lauter Trotz mit revolutionären Gruppen und Wera rebelliert auf ihre Weise - sie umgarnt einen jungen Revierpolizisten, um die erzwungene Heirat mit einem alten Adligen zu verhindern. Einzig Ljubow, die intelligenteste der Kinder und durch einen Buckel entstellt, ringt um ein bisschen Aufrichtigkeit in der Familie und will ihre Mutter dazu bringen, sich endlich zu ihrer Liebe zu bekennen. Die Familienkonflikte spitzen sich zu, als Kolomizew auf offener Straße angeschossen wird. Er zeigt einen jungen Mann dafür an, nur weil der ihm durch sein revolutionäres Äußeres suspekt erscheint. Aus reinen Karrieregründen - es winkt ihm plötzlich der Posten eines Kreisrichters - hält Kolomizew an seiner Aussage auch dann noch fest, als die Unschuld des Mannes erwiesen ist, und liefert ihn damit dem sicheren Tod aus. Kolomizews Verhalten entzweit die Familie endgültig, sein Bruder Jakow stirbt an den ganzen Aufregungen. Er hinterlässt ein beträchtliches Erbe, mit dem sich nun alle sanieren können, aber ändern wird sich nichts. Die Neuübersetzung von Werner Buhss gibt diesem konfliktgeladenen Endzeitstück eine wunderbare Modernität und läßt alle sprachlichen Nuancen zum Tragen kommen.
Theater