Mein Leben – Der Gentleman-Boxer Henry Maske
(Mein Leben / Ma vie)
2011
Im Ring, sagt Henry Maske, bist du ganz alleine. Egal, ob da nur einer zusieht oder fünf oder 120 Millionen. Einer der letzten Orte sei es, wo es um diese alte Sache geht: Mann gegen Mann. Das sagt ein Mann, der wissen muss, welcher Mumm wirklich dahinter steckt. In Sabine Michels Film betritt Henry Maske noch einmal den Ring. Zögerlich steigt er über die Seile. Die Halle ist leer, er ist alleine. Ein zufriedenes Lächeln. Ja, das fühlt sich gut an. Maske ist zu Hause.

Er hat Anfang der 90er Jahre den Boxsport salonfähig gemacht. Boxen, das roch bis dahin nach Männerschweiß, Brutalität und sozialem Bodensatz. Zehn Mal hat der junge Profiboxer aus dem Osten von 1993 an seinen IBF-WM-Titel verteidigt. Er war ein Weltmeister mit guten Manieren und höflicher Wortwahl. Der auf verbale Entgleisungen seiner Kontrahenten zu entgegnen pflegte, die Antwort im Ring zu erteilen. Der Öffentlichkeit präsentierte er sich wie ein gut trainierter Geschäftsmann, gab sich hölzern und rational und hielt sein aufgeräumtes Privatleben aus dem Rummel heraus. Aber plötzlich konnte sich jeder in Ost und West generationsübergreifend mit einem Boxer identifizieren. Der gleichzeitig nichts anderes war als ein ganz normaler Mann.

Einen Schlag, sagt er, bekommt man nur ab, wenn man sich nicht richtig davor schütze. Auch im Leben sei das so. Das von Maske hatte schon vor seinem unglaublichen Comeback das Zeug für einen Film. Zehn Jahre aber nach seiner schlimmsten Niederlage gelang ihm im Jahr 2007 die Revanche gegen den damaligen Kontrahenten Vergil Hill. Und wer nicht zu Tränen gerührt ist, wenn er in der letzten Szene des Films nach diesem an ein Wunder grenzenden Sieg vor den Augen der ganzen Welt aus dem Ring steigt und seiner Frau in die Arme fällt, der muss so schmerzarm sein wie ein Boxsack.
Drehbuch
Sabine Michel↗
Regie
Sabine Michel↗
Produzent
IT WORKS! Medien GmbH
Ko-Produzent
ZDF/arte
Film
ERSTAUSSTRAHLUNG
05.08.2012   arte
45 min