Mitten in Deutschland: NSU - Die Opfer - Vergesst mich nicht
2016
Im September 2000, kurz nach den großen Ferien, wird die 14jährige Semiya in ihrem Internat um vier Uhr morgens geweckt. Ihr Vater soll einen Unfall gehabt haben. Erst im Krankenhaus erfährt sie, dass er im Koma liegt. Acht Schüsse wurden auf Enver Simsek abgefeuert. Er stirbt zwei Tage später.
Die Polizei macht sich an die Arbeit. Hochmotiviert, den Fall möglichst schnell zu lösen. Es gibt kaum Spuren, aber jede Menge Hinweise, Zeugen melden sich. Enver Simsek ist in kurzer Zeit zu sehr viel Geld gelangt, als Blumenhändler war er häufig in Holland unterwegs.
Immer wieder werden Semiya und ihre Familie vernommen. Semiya zweifelt keine Sekunde an der Unschuld ihres Vaters. Ihre Mutter Adile ist dem Druck körperlich und seelisch nicht gewachsen. Als sie für einige Zeit ins Krankenhaus muss, übernimmt die gerade 15jährige Semiya die Verantwortung für sich selbst und für ihren Bruder. Die eher mittelmäßige Schülerin kämpft sich durch ihr Fachabitur, beginnt zu studieren und schützt Mutter und Bruder vor weiteren Ermittlungen der Polizei, die immer noch an ein Drogendelikt glaubt.
Acht türkische und ein griechischer Geschäftsmann werden mit der gleichen Waffe wie Enver Simsek ermordet. Ein neuer Ermittler bringt zwar Bewegung in den Fall Simsek und kann alte Zeugenaussage widerlegen, aber letztlich verlaufen auch seine Untersuchungen, sowie die mehrerer Sonderkommissionen im Sande.
Die Angehörigen der Opfer beginnen sich zu wehren. Auf einer Großdemonstration fordert Semiya selbstbewußt die Polizei auf, nach den wahren Tätern zu suchen. Aber erst im November 2011 kommt heraus, wer die Mörder waren.
Der Film “Vergesst mich nicht“ greift Motive der Biographie „Schmerzliche Heimat“ von Semiya Simsek und Peter Schwarz auf und erzählt von einer kraftvollen, jungen Frau, von fehlgeleiteten Ermittlungen und vom Versagen der Polizei in einem der größten Fälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Zugleich zeichnet er das Bild einer Familie, der es gelingt, in Zeiten tiefer Erschütterung zusammenzurücken.
Drehbuch
Laila Stieler↗
Regie
Züli Aladag
Produzent
Gabriela Sperl (Wiedemann & Berg Television)
Film
ERSTAUSSTRAHLUNG
04.04.2016   ARD
90 min