Am kürzeren Ende der Sonnenallee
"Als Churchill den Rauch wieder ausblies, gab er Stalin einen Zipfel von sechzig Metern Sonnenallee und wechselte das Thema."

Pointenreich erzählt Peter Dehlers neue Bühnenfassung des inzwischen legendären Romans von Thomas Brussig, wie im Schatten der Mauer auch die Post abging. Micha und seine Clique waren jung, sie liebten Musik von den Stones und von Jimi Hendrix, sie waren aufmüpfig, lustig, besoffen, hoffnungslos verknallt und sie mimten auch die braven Schüler. Sie feierten Partys und verarschten Grenzer wie westliche Mauertouristen, die hinter dem Betonwall das Elend des Ostens sehen wollten. Ein komödiantischer Sprung in einen DDR-Alltag, den es so konzentriert und heiter nur auf der Bühne geben kann.

Neben dem Ensemble der Mauer/Menschen/Kinder spielen auch Churchill, Stalin und Truman ihre historischen Sonnenalleestreitigkeiten als überdimensionale Pappfiguren durch. Denn jeder wollte nach dem Krieg einen Zipfel der Sonnenallee für seine Zone ergattern. Schon, weil der Straßenname so viel Hoffnung auf eine sonnige Zukunft versprach.
Theater
URAUFFÜHRUNG
11.09.2016   Altonaer Theater
R: Peter Dehler