Medea
2017
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Euripides
Medea
Regisseur: Oliver Frljić

"Die Medea des klassischen Tragikers Euripides ist zweifellos eine Protagonistin, die in der Literaturgeschichte eine seltene, fast einmalige Stellung unter weiblichen literarischen Figuren hatte, die viele Widersprüche, Paradoxa und Kontroversen umfasst. Die Colchis-Prinzessin baut am Scheideweg zwischen Natur und Gesellschaft ihre viel umstrittene Persönlichkeit auf, in der sie sich als Frau, Ehefrau und Mutter etabliert, die noch immer als Hexe und Halbgöttin unter dem mythischen Mantel lebt. Als Urheberin der Konstitution ihrer eigenen Heimat sucht sie im Exil eine Zuflucht, die ihr das ständige politische Stigma eines Flüchtlings, Streuners und Ausländers beschert hat. In Korinth lässt sie sich schließlich mit dem griechischen Helden Jason nieder, nachdem sie ihm das Goldene Vlies aus ihrem Heimatland gestohlen, ihren eigenen Bruder zerstückelt und sich gegen den König Pelias verschworen hat. Der Verrat ihres eigenen Mannes brachte sie jedoch dazu, den korinthischen König Creon, seine Tochter Glauce und schließlich ihre beiden eigenen Kinder zu töten.

Die Medea von Euripides offenbart das Wesen der antiken griechischen Gesellschaft, der Wiege der europäischen Kultur, ihre Saaten sind immer noch wichtige konstitutionelle Elemente der gegenwärtigen Gesellschaft, ihre Hauptmerkmale und Indikatoren der Körpertrennung innerhalb der gesellschaftlichen Struktur. Medeas Geschichte beruht auf empirischer Beobachtung der Welt, die die Protagonistin nicht akzeptieren wird; deshalb engagiert sie sich aktiv, um es zu ändern.

Die neue Produktion von Euripides 'Medea, inszeniert von Oliver Frljić in Maribor, untersucht die Position der Protagonistin durch ein relativ komplexes Beziehungsspektrum mit anderen Figuren des Stückes und konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die dunkelsten und marginalen zwischenmenschlichen Konstellationen. Medea ist also nicht nur eine Tragödie einer Frau, ein emanzipatorisches Experiment; sie ist nicht nur eine Heldin, Hexe oder eine Liebhaberin, angetrieben von irrationaler Leidenschaft - sondern auch ein Mitglied einer bestimmten sozialen Klasse und eine tragische Konsequenz der aktuellen widersprüchlichen Politik. Die Rache von Medea beruht somit auf der Möglichkeit, ein anderes gesellschaftliches Universum zu schaffen, sowie die Verwirklichung der radikalen Einschüchterung von Medea, die am Anfang des Stücks ausgesprochen wurde."

Slovensko narodno gledališče Maribor
Theater
PREMIERE
13.01.2017   Slovensko narodno gledališče Maribor
R: Oliver Frljić