Sieben Geister
Wer will seinen Enkeln vom Krieg erzählen, von Soldaten, die durch den Wald schnürten wie Wölfe. Wer will hören vom zugewachsenen Grenzstreifen, der das Land zersägte und in dem ein Mädchen beim Spielen erschossen wurde. Wer will zugeben, dabei gewesen zu sein. Viel wäre zu erzählen gewesen. Aber Onkel Wolfgang verschanzt sich hinter seiner Demenz. Großmutter Ursula war ohne Tränen und trocken ist ihre Beerdigung. Sie hatte ihre Kinder mit mitleidloser Härte erzogen. Eine Nachkriegsgeneration, die sich zusammenriss und funktionierte, bis die Enkelin, ein Kind der neunziger Jahre, rebelliert. Mit Tabletten und Autoaggressionen geht sie gegen Verkümmerungen vor, die sie nicht versteht. Sensibel und hart zugleich erzählt das Stück aus der wechselnden Perspektive einer drei Generationen umspannenden Familie vom Erbe verdrängter Geschichte, das sich als Krankheit in Körper und soziale Beziehungen frisst. Das Haus scheint keine Fenster zu haben, dafür Kellerschichten und Schlupflöcher für Schattenwölfe und Märchen.
Sören Hornung, im Jahr des Mauerfalls geboren, interessieren verschüttete und verwischte Spuren in die Geschichte. Wenn zutiefst verletzende Erfahrungen, Irrtümer und Peinlichkeiten nicht verarbeitet werden können, vererben sie sich. Irgendwann und irgendwo platzen die Wunden wieder auf.

"Sieben Geister" erhielt 2018 den Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik und wurde zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.
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Besetzung
3D, 2H
Theater
URAUFFÜHRUNG
11.05.2018   Theater Chemnitz
R: Laura Linnenbaum