Kirschgartenstraße
(Originaltitel im Serbokroatischen: „Vrat od stakla“)
Drei Generationen einer Familie leben in der ehemals bürgerlichen Wohnung aus der Zeit um 1900: Bogdanka, die schon seit zwei Jahren behauptet, sie sei siebzig, ihre unverheiratete Tochter Nadežda sowie ihre andere Tochter Svetlana mit ihrem Mann Ljuba und der neunzehnjährigen Tochter Mirna – außerdem Vasa, ständiger Gast, geduldeter Schnorrer und Bogdankas unbeirrbarer Verehrer. „Niemand antwortet niemandem so richtig direkt, so können sie einander jahrelang verletzen und trotzdem weiter zusammenleben.“ Draußen auf der Straße finden ununterbrochen Proteste statt – für dies oder gegen jenes – und in der dicken Luft liegt Musik aus Folk und Schlager, wie sie vor fünfzig Jahren beliebt war. In dieses Anti-Idyll platzt die Nachricht, dass die Wohnung an ihren rechtmäßigen Eigentümer rückübertragen werde und die Familie innerhalb von zwei Wochen auszuziehen habe.
Vom Tragikomischen (a la O’Casey) bis an den Rand des Grotesken führt Biljana Srbljanović ihre Figuren und zeichnet eine Gesellschaft, die sich aufreibt zwischen Rebellion und Staatstreue und auflöst in Resignation und Flucht. Und trotzdem: Leise ist der melancholische Wunsch hörbar, es möge anders werden nach dem Sommer.
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Übersetzung
Renata Britvec↗
Besetzung
4D, 4H, 1K, zwei kleinere Rollen
Theater
Frei zur DSE
URAUFFÜHRUNG
05.10.2018   Jugoslovensko dramsko pozorište, Belgrad
R: Jagoš Marković