Nathan
Ein Projekt von Oliver Frljić nach Gotthold Ephraim Lessing
2018
Lessings Märchen über die Toleranz, eines der ersten politischen Stücke unter den deutschen Theaterklassikern, wird gerade wieder – aus aktuellem Anlass – landauf, landab gespielt. Märchen enden mit dem hoffnungsvollen Satz: »Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.« Aber wir wissen, dass sie nicht überlebt haben und müssen fürchten, dass sie auch weiterhin nicht überleben werden. Das Stück lässt sich heute nicht lesen ohne die Erinnerung an den Holocaust. Der kroatische Theatermacher Oliver Frljić überprüft, was von diesem Märchen in einer Zeit übrig bleibt, in der »Ideologien der Ungleichwertigkeit« wieder gesellschafts- und debattenfähig geworden sind. Wie steht es mit der Mission der Aufklärung angesichts von Xenophobie, Homophobie, Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus? Frljić schreibt das Stück in die Gegenwart fort und erzählt, wovon Lessing schweigt; er lässt Vertreter*innen der drei Buchreligionen auftreten und schildert die (Religions-)Kriege damals – und heute. Die Mehrdeutigkeit der Bilder, die er entwirft, produziert Missverständnisse und fordert auf, das Unanschaubare anzusehen. Eindeutig und unmissverständlich ist die Botschaft, die dieser Nathan sendet: Das Akzeptieren und Tolerieren von verschiedenen Identitäten ist der Kern unseres Menschseins und nicht verhandelbar! (© Schauspiel Hannover)

Regie und Bühne Oliver Frljić     
Kostüme Sandra Dekanić
Dramaturgie Barbara Kantel
Theater
PREMIERE
02.09.2018   Schauspiel Hannover
R: Oliver Frljić