Die Nachtigall
nach Hans Christian Andersen
1843 schrieb Andersen in sein Tagebuch: „Eine alte Frau, die im Fluss bei Odense Kleider auswusch, erzählte mir, dass das Reich China unmittelbar unter uns liege. Ich hielt es nicht für unmöglich, dass ein chinesischer Fürst in einer mondhellen Nacht einen Weg durch die Erde graben könnte; wenn er mich singen hörte, würde er mich in sein Königreich mitnehmen, mich reich und vornehm werden und dann nach Odense zurückkehren lassen. Und dort würde ich … mir einen Palast bauen. Ich verbrachte viele Abende damit, diesen Palast zu entwerfen.“
In der Neufassung des Kunstmärchens um den chinesischen Kaiser und seinen Konflikt zwischen Kunst, Künstlichkeit und Natur, gehen die Autoren eigene Wege. Die behütete Prinzessin Lu Shang kann ihren Bewachern Yin und Yan entwischen und gerät einem Fischer ins Netz. Bei ihm lernt sie, in der kurzen Zeit die es braucht, um sich zu verlieben, auch eine echte Nachtigall kennen. Berauschend schön ist ihr Gesang, doch unansehnlich ihre Gestalt. Sie wird gejagt, in Gold gehüllt und im Palast fürstlich eingesperrt. Dort verweigert sie dem Herrscher ihre Stimme und gerät in Lebensgefahr. (Nachtigallenzunge ist eine Delikatesse!) Lu Shang befreit den Vogel und macht sich mit ihm aus ihrer prachtvollen Vaterwelt davon.
Feinstes Futter für die Sängerin bieten Gedichte des Lyrikers Li Bai aus der Tang-Zeit. Nachgedichtet von Klabund.
Theater
URAUFFÜHRUNG
14.10.2018   Schauspiel Leipzig
R: Stephan Beer