Der Reisende
nach Ulrich Alexander Boschwitz
Wenige Wochen nach den Novemberpogromen 1938 schrieb der 23jährige Ulrich A. Boschwitz (1915-1942) den Roman „Der Reisende“. Obwohl sich Heinrich Böll für das im Ausland veröffentlichte eindringliche, literarische Zeitdokument einsetzte, wurde es erst 2017 von Peter Graf beim Verlag Klett-Cotta herausgegeben.

Niemand sieht dem geachteten Geschäftsmann Otto Silbermann seine jüdische Herkunft an. Er selbst wähnt sich trotz unerfreulicher politischer Entwicklungen lange in Sicherheit. Noch klopfen ihm die Freunde mit unsäglichen Ausflüchten auf die Schulter. Anfangs peinlich berührt, verrät ihn sein langjähriger Geschäftspartner. Was um ihn rum geschieht, ist nicht zu fassen. Was er hört, ist an Absurdität nicht zu übertreffen. Seine Wohnung wird verwüstet. Er selbst kann mit einer Aktentasche voller Geld in letzter Minute vor den Schlägertruppen fliehen. In den Zügen, die ihn von Berlin nach Aachen, Düsseldorf, München und wieder nach Berlin fahren, sieht man ihm noch immer nicht an, dass er längst auf einer lebensbedrohenden Flucht ist. Sein in Paris studierender Sohn kann keine Papiere beschaffen. Sein verzweifelter Versuch, zu Fuß über die Grenze zu kommen, scheitert. Er wird bestohlen und verkommt innerhalb weniger Tage zu einem Mann, der sich nicht mehr verstecken kann. Der keine Kraft mehr hat, aber immer noch auf eine Art Gerechtigkeit hofft.

Mit Patrick Güldenberg, Wolfgang Prengler, Felix von Manteuffel, Oda Thormeyer, Anne Weber, Jonas Minthe, Paul Herwig, Achim Buch, Matti Krause, Anne Moll, Sebastian Rudolph, Julian Greis, Erkki Hopf, Bekim Latifi u.a.
Hörspiel
URSENDUNG
13.01.2019   NDR 2018
R: Irene Schuck
60'16